Hasskriminalität

Hast Du das nicht auch schon mal selbst mitbekommen, dass Menschen angegriffen werden, weil sie anders sind, als die Mehrheit? Häufig spielen hier Unkenntnis und Vorurteile eine Rolle.

Die meisten Menschen können ihre Vorurteile kontrollieren und haben sich im Griff. Wenn aber jemand seine Wut gar nicht mehr unter Kontrolle bekommt, spricht man von Hass.

Das ist aber gefährlich und führt sehr häufig zu schweren Straftaten.

Fakten

Einige begehen mit Hass im Bauch sogar Straftaten. Die Täter leben damit Vorurteile gegen andere soziale Gruppen aus und versuchen, sich über diese zu erheben. Dahinter steht meist persönliche Unsicherheit oder Angst vor Neuem oder Fremden und insbesondere das Fehlen von Einfühlungsvermögen und Toleranz.

Im Prinzip kann jede soziale Gruppe Opfer von Hasskriminalität werden (Fußballfans einer Mannschaft, Blauäugige, etc.). Je schwächer die Position der jeweiligen Gruppe in der Gesellschaft ist, desto schlimmer ist für sie die Ausgrenzung.

Soziale Gruppen, die eher am Rand der Gesellschaft stehen, sind zum Beispiel Menschen anderer Herkunft, mit dunkler Hautfarbe, Flüchtlinge, Angehörige eines anderen Glaubens, Menschen anderer sexueller Orientierung oder Menschen mit Behinderungen.

Die Täter suchen sich bei der Hasskriminalität ihre Opfer zufällig aus der abgewerteten Gruppe aus. Es geht ihnen an sich nicht um das konkrete Opfer, sondern um eine Botschaft an die soziale Gruppe. Die konkrete Verletzung einer Person ist für sie ein Mittel zum Zweck: die Mitglieder der anderen Gruppe sollen in Angst und Schrecken versetzt werden. Wenn das immer wieder passiert spricht man von Terror.

So kann aus der Abwertung einer sozialen Gruppe Hass werden, der zur Rechtfertigung von Gewalt führt. Die als politisches Mittel eingesetzte Gewalt ist somit ein Ergebnis einer gewissen Weltsicht oder Ideologie.

Wenn das Motiv einer Straftat Folge einer Weltanschauung ist, spricht die Polizei von politisch motivierter Kriminalität.

Jugendliche, die aus einer Familie mit sicheren Bindungen stammen, also eine gute Mischung aus Vertrauen und Sorge erfahren haben und auch andere Erwachsene kennen, die ihnen ein positives Vorbild geben, sind weniger anfällig für Hasskriminalität.

Wer zudem eine positive Sicht auf soziale Werte und Normen hat, dabei aktiv von seiner Umgebung unterstützt wird und gelernt hat, Konflikte auf eine sozial verträgliche Weise zu lösen, hat einen weiteren wirksamen Schutz vor dem Hass. Solche Jugendliche erfahren positive Rückmeldungen, wenn sie sich in sozial förderlicher Weise engagieren, zum Beispiel in Jugendgruppen, in Vereinen, im Sport, etc. Sie erleben dabei immer wieder, dass sie, so wie sie sind, wertvolle Mitglieder der Gemeinschaft sind. Sie müssen andere nicht abwerten, um sich selbst zu erhöhen!

Betroffene und Beteiligte

Opfer der Hasskriminalität werden von den Tätern zufällig bestimmt. Den Ausschlag für einen Überfall gibt meist nur, dass eine Person als Mitglied einer abgewerteten Gruppe angesehen wird und gerade zufällig da ist. Die Abwertung erfolgt dabei anhand von Merkmalen, die die Opfer nicht verändern können. Sie sind z.B. dunkelhäutig, Migranten oder werden wegen ihrer sexuellen Orientierung oder Religionszugehörigkeit zu Opfern gemacht.

Weil die Opfer der Hasskriminalität ohne eigene Beteiligung angegriffen werden, bedürfen sie des besonderen Schutzes und der besonderen Unterstützung.

Täter der Hasskriminalität haben einerseits den Hang, die Welt mit einfachen Lösungen und mit Vorurteilen zu erklären. Andererseits sind sie nicht in der Lage, ihre Aggressionen zu kontrollieren.

Manche von ihnen sind immer von diesem Hass getrieben, bei anderen spielen spezielle Situationen eine große Rolle. Sie ticken beispielsweise aus, wenn sie mit ihrer Gruppe Alkohol getrunken haben, aufputschende Musik hören und sich gegenseitig in ihrem Hass aufschaukeln.

Durch den Gruppendruck werden dann auch Mitläufer gezwungen, bei Gewalttaten mitzumachen, auch wenn sie das eigentlich gar nicht wollten.

Meist gibt es in solchen Gruppen Anführer, die die Gruppe bewusst lenken und den Hass schüren. Da sie bei den Straftaten häufig im Hintergrund bleiben und sich die Hände nicht schmutzig machen wollen, bezeichnet man sie auch als "geistige Brandstifter".

Wie würde eine Gesellschaft aussehen in der einzelne Menschen ganze Gruppen der Bevölkerung ausgrenzen, bedrohen und mit Gewalt überziehen dürften?

Man müsste ständig Angst haben, nicht zu der willkürlich ausgegrenzten Gruppe zu gehören, denn irgendwie könnte jede und jeder Opfer werden: als Anhänger einer religiösen Gruppe, wegen der individuellen Weltanschauung, Orientierung, Herkunft und so weiter.

Daher bedrohen Menschen, die aus ihrem Hass heraus Straftaten begehen, immer auch das friedliche Zusammenleben aller.

In solchen Fällen solltest Du Dich mit Zivilcourage für die Demokratie einsetzen und mit einer Anzeige Grenzen setzen.

Eure Fragen zum Thema

In Gesellschaften treffen immer wieder Gruppen mit unterschiedlichen Interessen und Bedürfnissen aufeinander. Diese Interessenkonflikte beeinflussen Vorurteile gegenüber anderen Gruppen, die wiederum den Nährboden für Hasskriminalität bilden.

Um die Gefahr von Hasskriminalität zu mindern, ist es von daher wichtig, eine Gesellschaft zu fördern, in denen unterschiedliche Lebensweisen und Weltanschauungen nebeneinander bestehen können.

Vorurteile sind bei Menschen weit verbreitet und zu einem Großteil normal: man kennt die Mitglieder der eigenen sozialen Gruppen gut, die anderer Gruppen aber nur aus Geschichten und Andeutungen. Aus den Erzählungen über Andere verdichten sich Bilder, wie die Anderen scheinbar sind. Das können sowohl positive wie negative Bilder sein (z.B. die lockeren Berliner, die geizigen Schwaben, die fröhlichen Rheinländer, etc.).

Problematisch wird es, wenn Menschen sich nur noch von Vorurteilen leiten lassen und nicht mehr wahrnehmen, dass individuelle Menschen ganz anders sein können, als die Klischees über ihre sozialen Gruppen.

Menschen, die Vorurteile bei sich zulassen, verengen damit ihre Wahrnehmung der Anderen, was zu einem Teufelskreis werden kann, der sich immer weiter verstärkt - oft bis hin zu Beleidigungen und physischer Gewalt.

Zum Beispiel ein kleines Gedankenexperiment: versuche mal zu sammeln, zu wie vielen Gruppen du selbst so gehörst. Du bist Einwohner einer Stadt oder Region, hast eine Haut- oder Augenfarbe, du betreibst einen gewissen Sport, hörst gerne einen gewissen Musikstil, kleidest Dich entsprechend einer Mode oder Jugendkultur, magst gewisse Filme, bist Teil einer Religion, entstammst einer Familie mit einer gewissen Herkunft, bist Fan einer Sportmannschaft, und so weiter.

Innerhalb der Gruppen die du kennst, gibt es noch viele Untergruppen, Differenzierungen, Richtungen und Strömungen.

Ergibt es dann Sinn über eine andere Gruppe zu sagen: "Alle XXX sind YYY"? Wo man doch immer Teil mehrerer Gruppen ist und es auch Unterschiede in den Gruppen gibt?

Wer das verstanden hat, kann die Unterschiedlichkeit der Menschen als Bereicherung der Gesellschaft genießen und sich einen Freundeskreis aus sympathischen Menschen zusammenstellen!

Erstens: bei Dir selbst anfangen! Jeder Mensch hat Vorurteile. Die Frage ist, ob man sich von diesen treiben lässt, oder sich aktiv mit den eigenen Vorurteilen beschäftigt, sie relativiert und damit entkräftet.

Zweitens: in Deinem Umfeld! Oftmals hört man Sprüche über andere Gruppen von Menschen: "die XXX sind eben YYY". Stimmt das aber? Hilf Dir und Deinem Umfeld, indem Du nachfragst und anzweifelst. Denn es gibt sicher auch etliche XXX, die nicht YYY sind!

Drittens: durch die Unterstützung von Schwachen und Opfern! Hasskriminalität ist immer besonders unfair. Daher brauchen Opfer Mitgefühl, Unterstützung und Schutz. Zeige Zivilcourage und engagiere Dich für deine Mitmenschen!

Eine Ideologie ist eine Sammlung von aufeinander bezogenen Ideen und bietet eine Erklärung für die Gesellschaft oder die Welt als Ganzes. Daher spricht man auch von Weltsichten oder Weltanschauungen.

Unter den verschiedenen Ideologien gibt es aber große Unterschiede in Bezug auf ihre Ausrichtung. Es gibt Weltanschauungen, die die Gleichheit und Gleichwertigkeit aller Menschen in den Mittelpunkt rücken und auf ein friedliches Miteinander ausgerichtet sind, während andere Ideologien die Ungleichheit von Menschen und bestimmten Gruppen betonen und damit Hass und Gewalt schüren.

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