Sexuelle Belästigungen

Das Strafrecht kennt den Begriff der „sexuellen Belästigung“ nicht. Umgangssprachlich sind mit dem Begriff meistens Handlungen gemeint, die keine sexuelle Gewalt (im engeren Sinne) darstellen, aber trotzdem als aufdringlich, anzüglich oder anstößig, kurz: als intime Grenzüberschreitung empfunden werden. Die Beispiele für solche „kleineren“ Grenzüberschreitungen können sehr vielfältig sein: sie reichen vom anzüglichen „Anmach-Spruch“ über „versaute Witze“, aufgedrängte Umarmungen, einen „Klaps“ auf den Po bis hin zu bewussten Griffen an die Brust oder in den „Schritt“.

Wie das Recht solche Grenzüberschreitungen bewertet und wie du persönlich hiermit umgehen kannst, erfährst du in den folgenden Abschnitten.

Fakten

Sexualität ist ein normaler und wichtiger Bestandteil in der Entwicklung vom Kind zum Erwachsenen. Hierzu gehört zum einen, dass du als Jugendlicher selbst deine sexuelle Identität findest, aber auch, dass Sexualität einen Platz in den Kontakten zu Gleichaltrigen einnimmt – kurz: Sexualität wird irgendwann zum Thema. Das ist auch richtig und wichtig – und im Normalfall nichts für die Polizei.
Wir kommen allerdings dann ins Spiel, wenn Sexualität zur Grundlage einer Grenzüberschreitung wird. Eine solche Grenzüberschreitung ist grundsätzlich auf zwei Ebenen denkbar: Einerseits auf der persönlichen (subjektiven) Ebene deiner Intimsphäre, andererseits auf der objektiven Ebene, die das Recht vorgibt. Auch wenn die Überschreitung deiner persönlichen Grenze nicht zwangsläufig auch die Überschreitung einer rechtlichen Grenze bedeutet, hast Du immer das Recht, dich gegen die Verletzung deiner Intimsphäre – in angemessener Art und Weise – zur Wehr zu setzen: Mach demjenigen, der dir verbal oder körperlich zu nahe tritt, unmissverständlich klar, dass er deine Intimsphäre zu respektieren hat! Solltest du hierbei Unterstützung brauchen, sprich mit einer Freundin oder einem Freund, einem Erwachsenen (Eltern / Beratungslehrer), einer Beratungsstelle, dem Jugendamt oder, wenn alles andere nicht weiterführt, mit der Polizei.

Du bekommst z. B. von einem Mitschüler oder einer Mitschülerin einen „Klapps“ auf den Po oder jemand fasst dir an die Brust oder in den Schritt. Solche Fälle liegen in der Regel unterhalb der Schwelle einer sexuellen Nötigung, sind also keine Sexualstraftaten im engeren Sinn. Das bedeutet natürlich nicht, dass solche Verhaltensweisen nicht nach anderen Vorschriften verboten sein können – und du hast in jedem Fall das Recht, dich dagegen zu wehren.
Unter Umständen kann eine solche Handlung als strafbare Beleidigung (§ 185 StGB) bewertet werden. Dies ist bei Handlungen – anders als bei Worten – aber nicht immer leicht zu entscheiden. Ein Gericht würde das absichtliche Berühren/Anfassen des Intimbereichs nur dann als Beleidigung bewerten, wenn die Umstände der Tat dafür sprechen, dass der Täter mit dem Anfassen auch eine persönliche Herabwürdigung des „Opfers“ zum Ausdruck bringen wollte.

Auch wenn sexuelle Belästigungen („versaute“ Sprüche oder Witze, „anzügliche“ Bemerkungen, körperliche Berührungen) unterhalb der Schwelle zur Strafbarkeit liegen, bedeutet das nicht, dass solche Verhaltensweisen „in Ordnung“ oder gar „erlaubt“ sind. Du kannst dich nämlich gegen nicht-strafbare Grenzüberschreitungen mit zivilrechtlichen Mitteln wehren. Da dies aber keine Sache der Polizei ist, bekommst du Hilfe z. B. bei Beratungsstellen, Rechtsanwälten oder der örtlichen Rechtsauskunftsstelle.

Betroffene und Beteiligte

Lass dir sexuelle Belästigungen nicht gefallen! Mach demjenigen, der dir auf diese Art zu nah tritt, unmissverständlich klar, dass er oder sie deine Intimsphäre zu respektieren hat. Manchmal kann es auch gut sein, wenn du dir für die Durchsetzung deines Rechts Unterstützung (z. B. bei einem Freund / einer Freundin oder einem Erwachsenen) holst.

Achte darauf, dass du die intimen Grenzen anderer Kinder respektierst. Auch wenn dein Anmach-Spruch oder dein „körperlicher Kontakt“ zu anderen vielleicht nur scherzhaft gemeint war – es kann sein, dass das bei deinem Gegenüber anders angekommen ist.

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